Der kleine Igel ~ Eine Geschichte vom hungrigen Igel

Der kleine Igel

Eine Geschichte vom hungrigen Igel

Elke 2007

Es war einmal ein kleiner Igel mit dem Namen Stachelchen. Schon als er auf die Welt kam, verspürte er einen großen Hunger! Ihr müsst wissen, genau wie bei uns Menschen haben auch die Igel Hunger. Hunger auf alles, was satt macht. Allerdings muss das nicht immer etwas zu essen sein! Andere Dinge können auch satt machen, doch davon erzähle ich euch später! Passt schön auf!

Um seinen Hunger stillen zu können, brauchte unser Stachelchen immer ganz viel Zeit! Das Tolle war, das hatte er schnell gespürt, er konnte dabei mit der Igel-Mama kuscheln! Wie bei den Babys von uns Menschen trinken auch die Igel-Kinder an ihrem Lebensanfang aus Mamas Brust. Sie sind dabei der Mama dann ganz nah. Und das ist sooo schön! Gemütlich, warm und weich! Igel aber brauchen – das glaub ich jedenfalls – dabei bestimmt noch viel mehr Zeit als wir Menschen. Warum fragt ihr? Habt ihr vielleicht eine Idee?

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Also, ich stell mir vor, dass unser Igel ganz, ganz vorsichtig mit seiner Igel-Mama kuscheln musste, damit er sie mit seinen Stacheln nicht verletzte. Das wollte er bestimmt nicht! Leider hatte die Igel-Mama meist sehr wenig Zeit, wenn unser kleiner Igel aus ihrer Brust trinken wollte! Die Mama war eine sehr fleißige Igel-Mama. Mit im Bau wohnten noch der Igel-Papa, die Igel-Oma und auch der Opa des kleinen Igels. Da gab es natürlich immer sehr viel zu tun! Wie soll ich das bloß alles schaffen, dachte die Mama oft, wollte sie doch alles im Bau ganz ordentlich und sauber halten!

Alle in der Igel-Familie freuten sich über unseren kleinen Igel und bemühten sich, dass er sich wohl fühlte. Trotzdem wurde Stachelchen immer trauriger in seinem Herzchen. Er wollte lieber ganz viel Zeit mit der Igel-Mama verbringen, wollte ihre Liebe spüren, sich unendlich viel Zeit beim Essen und Trinken lassen, denn das war meist die Zeit, die er mit seiner Mama ganz allein verbringen durfte. Leider vergingen diese Augenblicke immer viel zu schnell und Mama musste wieder weg.

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Sie musste waschen, putzen, den Igel-Bau aufräumen und auch einkaufen gehen. Einkaufen? Das glaubt ihr nicht? In dieser Geschichte ist es so! Manchmal durfte Stachelchen seine Mama sogar beim Einkauf begleiten, schließlich müssen ja auch Igel irgendwann, wenn sie groß sind, alleine in der Lage sein, sich zu versorgen. Und das müssen sie lernen!

Dennoch war unser Stachelchen immer sehr traurig und bald wusste er gar nicht mehr, warum das so war. Er spürte bloß im seinem Herzchen, es fehlte ihm etwas. Er fühlte die Liebe nicht, nach der er sich so sehr gesehnt hatte, als er auf die Welt kam. Obwohl sich die Igel-Eltern und Großeltern alle Mühe gaben, erschien ihm alles um ihn herum kalt und leer. Sie merkten nicht, dass Stachelchen etwas bedrückte, sprach doch unser Igel nicht über seinen Kummer. Das kleine Igel-Herz hatte sein Leuchten verloren, doch das merkte nur das Herzchen selbst und es versuchte, Stachelchen immer ganz still und leise ein Lied von der Liebe zu singen, die in ihm war.

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Das machen die Herzen aller Menschen und Tiere so. Nur hören wir, die Menschen und manchmal auch die Igel, auf dieses leise Singen nicht und wundern uns, warum wir dann so etwas trauriges in uns spüren! Kennt ihr das vielleicht? Wenn es so ist, dann lauscht einfach mal, was euer Herzchen euch zu sagen hat! Ob es vielleicht laut und wild oder auch manchmal ganz leise und zufrieden klopft. Manchmal möchte es uns auch etwas erzählen, von Blumenwiesen, von Sonne oder von leuchtenden Sternen. Also, lauscht einmal in euch hinein!

Unser Igel wuchs inzwischen heran und als er groß genug war, zog er aus, um seinen Hunger zu stillen. Nur, wonach und wo er suchen sollte, wusste er nicht so recht. Die Igel-Eltern verabschiedeten Stachelchen, wünschten ihm Glück und gaben ihm noch ganz viele Ratschläge und Wünsche mit auf den Weg. Dann waren sie im Igel-Bau allein, denn Igel-Oma und Opa waren inzwischen schon im Igel-Himmel. Sie winkten ihm von dort aus zu.

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Unser hungriger Igel wanderte also in die große, weite Welt, begegnete vielen anderen Tieren, bei denen er versuchte, seinen Hunger zu stillen. Er traf unterwegs eine Ameise, die mit anderen aus ihrer Familie beim Bau des Ameisenhaufen beschäftigt war. Allein konnte eine Ameise das nun wirklich nicht!

Kennt ihr vielleicht solch einen großen Ameisenhaufen von den Waldameisen? Das sind richtige Kunstwerke! Die Ameisen müssen sehr fleißig sein, um solch großen Bau fertig zu stellen. Leider zerstören unwissende Menschen oft diese Behausungen. Sie wissen vielleicht wirklich nicht, wie viel Mühe solch ein Bau bereitet! Also, wenn ihr so etwas sehen solltet, seid mutig und erzählt über die fleißigen Ameisen! Sie werden sich darüber freuen!

Unser Stachelchen unterhielt sich mit der kleinen Ameise und erzählte ihr seine ganze, lange Igel Geschichte und von seinem Hunger, wo er nicht wusste, woher er kam. Er erzählte der Ameise soviel, bis diese genug von ihm hatte, und als er ihr zu nahe kam, zwickte sie ihn in die Nase und lief davon. Hier konnte der Igel wohl nicht sein Glück finden und den Hunger stillen.

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So lief auch der Igel weiter und begegnete auf seinem Weg einer Schnecke. Na prima, dachte er, vielleicht kann ich ja da meinen Hunger stillen. Er fing an, der Schnecke seine ganze, lange Igel Geschichte und von seinem unstillbaren Hunger zu erzählen. Eine Weile hörte sich die Schnecke die Geschichte von Stachelchen an. Als er aber auch ihr beim Erzählen zu nahe kam und sie gar an ihren Fühlern mit der Nase berührte, zog sie sich blitzschnell in ihr Schneckenhaus zurück und ließ den Igel, Igel sein. Hier konnte unser Igel also auch nicht seinen Hunger stillen.

Dann traf er unterwegs einen kleinen, frechen Spatz. Der aber ließ sich gar nicht erst auf sein Gespräch ein. Er flog schnell davon, denn ein Spatz mag die Igel-Stacheln gar nicht so sehr. Schwatzen, wollte er lieber mit anderen Spatzen, die sich für die gleichen, lustigen Spatzen Streiche interessierten, wie er selbst.

Auch er ließ also den Igel Igel sein. Um ehrlich zu sein, hatte er bei einem seiner Flüge auch schon die ganze, lange Igel Geschichte und von dem unstillbaren Hunger des Igels gehört. Er hatte einfach keine Lust darauf, diese Geschichte noch einmal zu hören.

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Unser Igel wurde immer trauriger in seinem Herzen. Keiner schien ihm wirklich helfen zu können. Er hatte sogar versucht, den Ameisen eine seiner Lieblingsspeisen, eine Maus, zu bringen. Beim ersten Mal nahmen die Ameisen seine Maus ja noch an. Sie wollten dem Igel nicht weh tun und das Geschenk ablehnen, merkten sie doch, dass Stachelchen ihnen wirklich eine Freude bereiten wollte.

Auch beim zweiten, dritten und vierten Mal sagten sie noch nichts. Dann aber konnten die Ameisen nicht mehr! Hatten sie doch vier große Mäuse aus ihrem Ameisen Bau wieder heraus schleppen müssen! Das war zu viel für sie und lange Zeit mussten sie sich ausruhen, um zu Kräften zu gelangen, bis sie den Igel wieder empfangen konnten.

Einige Ameisen hatten sich zusammengeschlossen, höflich und voller Überzeugung dem Igel gesagt, dass sie gar keine Mäuse mögen! Sie taten so, als ob sie sich freuten, um den Igel nicht zu verletzen. Doch sie selbst, kostete es sehr viel Kraft, die Mäuse wieder fortzuschleppen zu denen, die sich wirklich darüber freuten.

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Unser Igel war nun ganz müde von seiner langen Wanderung, rollte sich zu einer Kugel zusammen und schlief ein. Er träumte von einer besseren Welt, von einer großen Igel-Familie, wo jeder den anderen liebte und alle zufrieden und glücklich miteinander waren. Er träumte davon, dass er selbst beschenkt wurde! Doch dieses Geschenk konnte er nicht sehen! Er konnte es aber fühlen!

Im Traum, spürte er Wärme und Liebe. Unendlich viel Zeit durfte er fröhlich mit den anderen Igeln verbringen. Es war einfach herrlich. Trotz der Igel Stacheln verletzten sie einander nicht und jeder aus der Familie durfte genau so sein, wie er war. Mit all seinen kleinen, süßen Igel-Fehlern, mit all den unterschiedlichen langen und kurzen Stacheln und mit allen Stärken, die in jedem Igel aber auch in jedem von uns Menschen waren.

Im Traum fühlte er das erste Mal, er war satt und zufrieden. Er war glücklich! Nun wusste der Igel, wonach er so lange gesucht hatte. Im Traum sang sein Herz so laut von der Liebe, die er selbst in sich trug, dass er davon erwachte. Ganz vorsichtig rollte er sich auseinander und erinnerte sich gleich wieder an seinen schönen Traum. Nun wollte er noch einmal von vorne anfangen und nur noch Liebe verschenken, denn solch ein Geschenk mag jedes Lebewesen! Er wusste nun, nur damit konnte er seinen Hunger, der ihn so lange gequält hatte, wirklich stillen.

Wenn er alle Igel, Ameisen, Schnecken, Spatzen und alle anderen Lebewesen so liebte wie sich selbst, würde er nie wieder hungrig sein.

Stachelchen fand eine liebevolle Igel-Frau, sie bekamen viele Igel-Kinder und lebten glücklich und zufrieden miteinander.

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Gewidmet für einen geliebten Menschen…

Bildquelle: pixabay

 

 

5 Kommentare zu „Der kleine Igel ~ Eine Geschichte vom hungrigen Igel

  1. Das erinnert mich an meine Kindheit. Im Konzert u. Theatersaal meiner Heimatstadt wurde das Stück „Wettlauf zwischen Hase und Igel“ gespielt..Ich war etwa 8 oder 9 Jahre alt und mußte den Igel spielen. Den Hasen spielte eine Klassenkameradin, die ich garnicht mochte. Man stelle sich meinen Stress vor. Lach …

    Gefällt 1 Person

    1. Ohje, lieber Jürgen,

      das war mit Sicherheit damals ziemlich stressig… kann ich mir lebhaft vorstellen…
      Wie gut doch, können wir über derartige Erlebnisse im Nachhinein gesehen dann lächeln… 😉

      Liebe Grüße
      Elke

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